Immaterielles Kulturerbe

Wissen, Handwerkstechniken und Kenntnisse der manuellen Glasfertigung

 
Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit

Aufnahmejahr: 2023
Beteiligte Staaten: Deutschland, Finnland, Frankreich, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn

unesco.org

 
Die manuelle Glasfertigung wurde 2023 in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Um überhaupt als Kulturform für eine der internationalen UNESCO-Listen des Immateriellen Kulturerbes nominiert zu werden, muss diese zuvor bereits in den nationalen Listen der jeweiligen Vertragsstaaten des UNESCO-Übereinkommens abgebildet worden sein. In Deutschland ist dies 2015 mit der Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes im Bereich „Traditionelle Handwerkstechniken“ geschehen.

 
In der aktuellen Publikation von 2025 sind der „Glas Kultur Campus“ in Frauenau sowie die Herstellung von mundgeblasenem gläsernen Christbaumschmuck in Lauscha gelistet:

. Der „Glas Kultur Campus“ in Frauenau ist ein beispielhaftes Projekt zur nachhaltigen Bewahrung und Weitergabe der Studioglaskultur. Seit Jahrhunderten prägt die Glaskunst die Region, wobei traditionelle Techniken und moderne, experimentelle Ansätze aufeinandertreffen. Besonders seit den 1960er Jahren zieht Frauenau internationale Kunstschaffende an und wird zum Zentrum der Studioglasbewegung. Der Verein Bild-Werk Frauenau e. V. spielt dabei mit seiner internationalen Akademie und der jährlichen Sommerakademie eine zentrale Rolle: Hier werden Wissen und handwerkliche Fähigkeiten praxisnah vermittelt, junge Talente gefördert und ein lebendiges Netzwerk zwischen Glaskünstlern, Institutionen und Regionen aufgebaut.

Das Projekt setzt auf grenzüberschreitende Zusammenarbeit, innovative Bildungsangebote und nachhaltige Geschäftsmodelle. Durch Workshops, Meisterklassen, Ausstellungen und Kooperationen mit Partnern wie dem Glasmuseum Frauenau oder der Erwin-und-Gretel-Eisch-Stiftung wird das Kulturerbe Glas aktiv erlebbar gemacht – auch für jüngere Generationen. Der „Glas Kultur Campus“ gilt so als Modellprojekt, das die Prinzipien des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung immateriellen Kulturerbes vorbildhaft umsetzt und die Glaskultur in der Region und darüber hinaus nachhaltig stärkt.

. Der Lauschaer Christbaumschmuck wird seit rund 200 Jahren traditionell mundgeblasen, von innen versilbert, lackiert und kunstvoll bemalt. Ursprünglich fertigten Handwerksbetriebe Hohlglasperlen, bevor sich daraus der heute bekannte gläserne Baumschmuck entwickelte. Die Motive und Formen – von Äpfeln und Nüssen bis hin zu Engeln, Häusern und Glocken – spiegeln sowohl gesellschaftliche Trends als auch handwerkliche Tradition wider. Heute gibt es etwa 5.000 verschiedene Varianten, meist hergestellt von kleinen Familienbetrieben. Die traditionellen Herstellungstechniken werden durch die Berufsfachschule Lauscha und lokale Vereine bewahrt und an die nächste Generation weitergegeben, sodass das kunstvolle Handwerk lebendig bleibt.

 
Einen Eintrag zur Glasmacherstadt Weißwasser, einst größter glasproduzierender Ort der Welt, sucht man derzeit noch vergeblich. Genau dieser Aufgabe hat sich nun der Förderverein des Glasmuseums Weißwasser verschrieben.

 
Quelle: Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe, Deutsche UNESCO-Kommission e. V.